"Kärntner Derby geht unter die Haut"

2. TEIL: Emmerichs Vergleich zwischen dem Ruhrpottderby und jenem in Kärnten und seine zweite, finale Saison in Violett-Weiß.


Bildschirmfoto 2017-09-11 um 23.23.49.png-SK Austria Klagenfurt

Frank Büths Artikel in den "Ruhr Nachrichten" vom 8. September 2017

Austria-Fan Frank Büth schreibt in dieser Woche in zwei Teilen über die legendäre Zeit von Lothar Emmerich bei der Austria Klagenfurt. In Teil 2 geht es um "Emmas" Vergleiche zwischen dem legendären Duell Dortmund gegen Schalke und Austria gegen VSV und seine (Miss-)Erfolge in seiner zweiten und gleichzeitig letzten Spielzeit in Waidmannsdorf.

In der Saison 1973/1974 wollte sich die Austria weiter oben in der Tabelle orientieren. Ein Star musste her. Mäzen Funder griff tief in die Tasche und sorgte für die Verpflichtung von Franz Hasil. Der Mittelfeldstar spielte in der Saison 1968/69 beim FC Schalke 04, ehe ihm 1970 im Trikot von Feyenoord Rotterdam der Erfolg im Europapokal der Landesmeister gelang. Er sollte als Spielmacher den deutschen Torjäger mit Vorlagen füttern. „Franz Hasil ist der neue Austria-König“ lautete die Überschrift in den Klagenfurter Gazetten.

"Nicht möglich, gegen ihn an Ball zu kommen"

Im Rahmen der Vorbereitung siegte die Austria gegen SV Donau Klagenfurt mit 22:0. Lothar Emmerich erzielte dabei sage und schreibe acht Tore. Ich habe im August 2017 seinen damaligen Gegenspieler Günther Rotter getroffen, der auch über vierzig Jahre danach noch voller Hochachtung von Emma spricht. „Ich war damals fast zehn Jahre jünger als Emma, der hat einfach seinen Hintern ausgestreckt, sich gedreht und den Ball ins Tor geschossen. Ich hatte gar keine Möglichkeit an den Ball zu kommen“ berichtete Rotter.

Leider lief es in der Meisterschaft trotz der Verpflichtung von Hasil eher schleppend. Die Violetten starteten mit zwei Remis in die Saison. Im Spiel gegen die Wiener Austria gelang Emmerich ein Doppelpack. Er verwandelte souverän gleich zwei Strafstöße. „Emmas Elfmeter retteten Austria Klagenfurt“ lautete die Titelzeile in der Kärntner Tageszeitung.

Den zweiten Saisonsieg gab es beim 1:0 über die Vienna, erneut traf Emma per Elfmeter. Trotz des Sieges war Trainer Freddy Hohenberger (Austria-Ikone als Spieler und Trainer) wenig angetan von der Partie. „In der ersten Hälfte haben wir ganz gut gespielt, nach der Pause jedoch kopflos, wie ein Sack Kartoffel.“

Auch beim dritten Saisonsieg, dem 2:1 über Admira/Wacker war der Torjäger wieder erfolgreich. Die beiden Stars der Austria, Franz Hasil und Lothar Emmerich drückten dem Spiel ihren Stempel auf und erzielten je einen Treffer.

Ein Doppelpack von Emmerich bedeutete ein 2:2-Remis gegen den Linzer ASK. Bei der 0:1-Heimniederlage gegen Austria Salzburg vergab der Stürmerstar einen Elfmeter. „Emma versagte diesmal in seiner Spezialdisziplin. Er, der die Elfmeter so sicher einschießt, wie sonst nur Jerry Cotton beim FBI zu ballern pflegt, versagte diesmal. Schon beim Anlauf war eine Portion Überheblichkeit dabei. Er wollte Kaipel (dem Salzburger Torhüter) durch ein plötzliches Abbremsen beim Anlauf zu einer lächerlichen Figur degradieren, doch der lange Tormann hechtete den nicht allzu scharf geschossenen Ball aus der Ecke. (laut Korrespondent Karl Korentschnig)

Danach geriet die Austria in eine Krise und verlor vier Spiele in Folge. Gegen das Schlusslicht FC Vorarlberg war es natürlich Torjäger Lothar Emmerich der unsere Violetten rettete und den 1:0-Siegtreffer per Elfmeter erzielte.

Derby vor 14.000 Fans

„Mein Gott, ich habe so viele Derbys gespielt, neun Jahre lang hatte ich alle sechs Monate ein Derby zwischen dem BVB und Schalke 04 zu bestehen. Jeder solcher Kraftakte wird unter besonderen Gesetzen ausgetragen. Immerhin bin ich schon eineinhalb Jahre in Kärnten und so geht auch an mir dieses aus der Norm fallende Spiel irgendwie unter die Haut“ äußerte sich „Emma“ zur Brisanz des Kärntner Derbys.  

Im Kärntner Derby zwischen der SG Radenthein / Villacher SV und Austria Klagenfurt war es natürlich der linke Fuß von Emma, der das Derby zugunsten der Landeshauptstädter entschied. 14.000 Fans strömten in das Villacher Stadion und sahen bis zur 66. Minute eine langweilige Partie mit vielen Fouls. Ein haltbarer Flachschuss von Emmerich sorgte für den 1:0-Erfolg der Klagenfurter Austria. Nach dem Spiel wurde der Torjäger von den begeisterten Fans der Austria auf den Schultern vom Platz getragen. „Mein Tor war ganz logisch, es war ein Trick“ so Emmerichs Statement zum Siegtor.  Die Violetten belegten zur Saisonhalbzeit einen achtbaren achten Platz in der 17. er Liga.

Emmerich wird Österreicher

In der Winterpause gab es nur ein Thema in den Kärntner Medien: 

Lothar Emmerich erhält die Österreichische Staatsbürgerschaft. Der Kärntner Landeshauptmann Hans Sima verlieh Emmerich am 13.01.1974 feierlich die Staatsbürgerschaft. Um bei Austria Klagenfurt einen Kaderplatz für einen zusätzlichen Ausländer frei zu machen (es durften damals nur drei Nicht-Österreicher eingesetzt werden), hatte Emma die Österreichische Staatsbürgerschaft beantragt. Da er im Juni 1974 den Verein bereits wieder verließ, hat die Austria Klagenfurt lediglich in der Rückrunde vom „Österreicher“ Lothar Emmerich profitiert.

Die Rückrunde der Saison begann für den Ex-Dortmunder Stürmerstar wie gehabt: Beim 3:3-Unentschieden gegen VÖEST Linz gab es einen Doppelpack. Danach hatte Emmerich Verletzungspech. Wegen eines bei Röntgenaufnahmen in Dortmund diagnostizierten Kieferbruchs fehlte der Torjäger den Violetten für drei Wochen. Lothar Emmerich war ab Anfang 1974 bei den Verantwortlichen nicht mehr unumstritten.

Die Landeshauptstädter gerieten in einen Abwärtsstrudel. Trainer Drazan Jerkovic wurde vor die Tür gesetzt. Der erste Sieg in der Rückrunde sollte den Klassenerhalt endgültig sichern. Die beiden Stars der Austria Franz Hasil und Lothar Emmerich, sorgten mit ihren beiden Treffern für den knappen 2:1-Erfolg über den Grazer AK, vor nur 2000 Fans.

Am Ende wie zum Beginn: Viel Kritik

Dabei vergriff sich ich ein namentlich nicht bekannter Funktionär gegenüber der Kärntner Tageszeitung im Ton: „Wenn man Emma das linke Bein wegzieht, fällt er einfach um, weil kein rechter Fuß da ist“, lautete der respektlose Kommentar zur schwachen Partie des Torjägers. Sarkastischer Kommentar des KTZ-Redakteurs Walter Grill auch zur Leistung des Unparteiischen: „Unter jeder Kritik Schiri Jegel, dessen Aktionsradius sich auf 15 Meter beschränkte“.

Am Ende verhinderten die Violetten als 14. gerade noch den Abstieg. Lediglich ein Zähler betrug der Vorsprung auf den Lokalrivalen SG Radenthein / Villacher SV, der den bitteren Weg in die zweite Liga antreten musste.

Der neue Klagenfurter Trainer Gerdi Springer legte keinen Wert mehr auf die Dienste des  Toptorjägers. Erstens hatte Emmerich aus seiner Sicht in der Rückrunde arg enttäuscht und zweitens passte er nicht in sein Defensivkonzept.

Emmerich zog die Konsequenzen, bat bei Mäzen Adolf Funder um die Freigabe und wechselte zum damaligen deutschen Zweitligisten Schweinfurt 05. Dort erhielt der Torjäger einen Zweijahresvertrag.

Abschlusstabelle 1973/74

Pl.

Verein

Sp.

S

U

N

Tore

TQ/Diff.

Punkte

1.

VÖEST Linz

32

18

11

3

51:28

 

47

2.

SSW Innsbruck

32

19

8

5

57:21

 

46

3.

SK Rapid Wien

32

18

9

5

74:33

 

45

4.

SpG FK Austria-Wiener AC

32

16

7

9

59:37

 

39

5.

SK Sturm Graz

32

14

6

12

28:35

 

34

6.

Donawitzer SV Alpine

32

13

7

12

51:48

 

33

7.

FC Admira Wacker

32

11

9

12

50:48

 

31

8.

SV Austria Salzburg

32

10

11

11

35:35

 

31

9.

Linzer ASK

32

11

8

13

38:48

 

30

10.

Wiener Sport-Club

32

10

9

13

43:60

 

29

11.

1. Simmeringer SC

32

10

8

14

49:47

 

28

12.

GAK

32

9

10

13

31:41

 

28

13.

SC Eisenstadt

32

11

6

15

36:52

 

28

14.

Austria Klagenfurt

32

8

11

13

33:44

 

27

15.

SpG Radenthein-Villacher SV

32

6

14

12

33:40

 

26

16.

First Vienna FC 1894

32

8

8

16

38:54

 

24

17.

FC Vorarlberg

32

5

8

19

31:66

 

18

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