"Es zählt der Teamgedanke"

Allrounder Fabian Hafner spricht im Interview über seinen Doppelpack, Red Bull Salzburg und erklärt, warum er "Lehrer" genannt wird...


Bildschirmfoto 2017-11-08 um 20.00.05.png-SK Austria Klagenfurt

Egal ob als Innenverteidiger oder rechter Flügel - auf Fabian Hafner ist immer Verlass. Knapp vier Monate ist er nun schon in Waidmannsdorf und hat sich in dieser Zeit einen Ruf als fußballerisch und vor allem auch menschlich sehr gute Verstärkung gemacht. Im Interview mit www.skaustriaklagenfurt.at spricht der 24-Jährige über seinen Doppelpack beim 2:2 gegen Lafnitz, seine Stärken auf dem Platz, sowie das Los im UNIQA ÖFB Cup.

Im Duell gegen Tabellenführer Lafnitz läuft die 70. Spielminute. Filip Petanjek verlässt den Platz, für ihn wirst du eingewechselt. Sieben Minuten später steht es 2:1, Doppelpack Hafner. Beschreibe uns doch bitte mal diese sieben Minuten aus deiner Sicht.

Als der Trainer mich vom Aufwärmen gerufen hat, ich rein durfte und das im rechten Mittelfeld, hab ich mich voll gefreut. Nach wenigen Sekunden hab ich mir gleich mal eine gelbe Karte abgeholt (lacht). In der ersten Aktion kam der Ball zu mir, ich dachte mir, ich muss einfach nur den Ball treffen. Der Tormann konnte ihn erst parieren, der Nachschuss war aber drin. Das zweite Tor war fast ident, das Gefühl danach ein Wahnsinn. Mir ist zwar schon mal ein Doppelpack gelungen, der war aber nicht vergleichbar mit jenem von Freitag. Vor heimischem Publikum gegen den Tabellenführer und so vielen Leuten, die sich darüber gefreut haben, das war ein Traum.

Hast du eine Erklärung für deinen Blitz-Doppelpack?

Vor dem Spiel musste ich eine Schmerztablette schlucken, vielleicht lag's daran (lacht). Spaß beiseite, ich glaube, ich bin einfach zweimal gut gestanden und hatte Glück, dass der Ball beide Male so super zu mir gespielt wurde, ich praktisch nur noch einschieben musste. Es hat einfach gepasst!

Am Ende stand ein 2:2 auf der Anzeigetafel. Deine Analyse?

Ich glaube, dass wir gut begonnen haben, unglücklich in Rückstand geraten sind. In der zweiten Hälfte haben wir endgültig dominiert, verdient Tore erzielt. Wie es der Trainer gesagt hat, ein Fehler wie er Zan unterlaufen ist, kann immer passieren. Er hat uns schon viele Punkte heuer gerettet.

Als deine größte Stärke zählt dein Allrounder-Können.

Zu Beginn meiner Karriere hab ich immer nur Innenverteidiger gespielt, war aber schon immer nicht wirklich robust, zeichnete mich eher durch meine Schnelligkeit aus. So kam es, dass ich manchmal auf der rechten Außenverteidigerposition randurfte - und da ist das rechte Mittelfeld nicht mehr weit entfernt. Defensiv würde ich mir alles, außer auf der "6" zu spielen, zutrauen. Zudem ist es glaube ich der Traum von jedem Kicker, mal im Sturm spielen zu dürfen (lacht).

"Hier wird extrem professionell gearbeitet. Medienmitarbeiter oder Zeugwarte und Masseure, die jeden Tag da sind, gibt's woanders nicht."

Du bist nun seit knapp vier Monaten bei der Austria. Wie kam der Kontakt zustande?

Der Trainer hat sich bei mir gemeldet, Interesse bekundet. Wenn Austria Klagenfurt dich haben will, überlegst du nicht lange. Die Austria ist neben dem WAC die Top-Adresse in Kärnten, mit einer tollen Infrastruktur und natürlich dem großen Stadion. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich im Sommer hier unterschreiben konnte.

Wie gefällt es dir hier?

Ich würde die Zeit bis jetzt als wunderschön bezeichnen. Für mich ist es wieder ein Schritt nach vorne, nachdem ich nach meiner Zeit bei Wacker Innsbruck bei Klubs war, wo nicht so professionell gearbeitet wurde, wie das hier der Fall ist. Wir trainieren oftmals am Vormittag, das Umfeld ist top, es gibt einen Masseur, der tagtäglich da ist, zudem unter anderem unseren Zeugwart Peter. Pressearbeit gibt's bei den meisten Vereinen in Regionalliga und Kärntner Liga ebenso nicht. Das Trainerteam ergänzt sich perfekt, hat mit dem Cheftrainer, Co-Trainer Willi Rosenzopf und Tormanntrainer Thommy Lenuweit drei super Leute mit großem Fachwissen. Die Stimmung in der Mannschaft ist super, wir haben einen guten Mix aus erfahrenen Spielern und jungen, hungrigen.

In diesen vier Monaten hast du auch schon viel erlebt...

Zum Beispiel die Abende im UNIQA ÖFB Cup - unbeschreiblich, das hab ich in dieser Form noch nie erlebt. Natürlich war die Zeit, in der ich einige Spiele hintereinander von Beginn an spielen durfte toll, aber ich freue mich auch, wenn ich die Mannschaft von außen unterstützen kann - oder nach Einwechslung. Es zählt der Teamgedanke, dass man gemeinsam Siege und Erfolge erreicht.

Welche Platzierung wäre ein Erfolg, welche Ziele hast du mit der Austria?

Das nächste Ziel ist ein gutes Ergebnis am Samstag in Weiz, das steht momentan im Vordergrund. Das letzte Spiel vor der Winterpause, das enorm wichtig für uns ist, wir wollen unbedingt punkten und im Frühjahr Druck auf die Topteams der Liga machen und vorne mitspielen. Wichtig wird sein, dass wir in der zweiten Saisonhälfte stabilere Leistungen abliefern, weniger Punkte verschenken. Dann haben wir gute Chancen.

"Red Bull Salzburg? Sportlich top, aber eher Kommerz als Fußball. Schade, dass das Projekt dort auf Kosten von Austria Salzburg gegangen ist."

Stichwort UNIQA ÖFB Cup. Die Austria trifft im Viertelfinale in Wals-Siezenheim auf Doublesieger Red Bull Salzburg.

In unserer Whats App Gruppe ging's nach der Auslosung am Sonntag ordentlich rund. Natürlich wissen wir das richtig einzuordnen, die Favoritenrolle liegt klarerweise beim Gegner, wir können nur gewinnen. Die meisten Spieler hätten sich zwar Rapid oder Sturm daheim gewünscht, aber ok. Wir werden alles geben, uns nicht schon vor dem Anpfiff geschlagen geben. In der Gruppe fiel auch der Satz: "Dann schlagen wir halt Salzburg!"

Wie stehst du generell zum Projekt Red Bull Salzburg?

Ich kann beide Seiten verstehen. Sportlich sind sie top, eine riesige Bereicherung für den österreichischen Fußball. Auch die anderen RB-Klubs haben Erfolg, ob in Amerika oder in Leipzig, die spielen Champions League. Andererseits ist das mehr Kommerz als Sport, was ich schade finde. Vor allem, weil das auf Kosten von Austria Salzburg gegangen ist, die richtig tolle Fans hat. Was das angeht, ist die Austria noch immer die Nummer 1 in Salzburg.

Präsident Peter Svetits äußerte kürzlich gegenüber dem "Standard" Kritik daran, dass das Heimreicht für kleinere Klubs im UNIQA ÖFB Cups ab dem Viertelfinale wegfällt. Deine Meinung?

Ich sehe das ähnlich, finde es schade, dass man das vor einigen Jahren so beschlossen hat. Ich fände es ebenso besser, wenn das unterklassigere Team Heimrecht hat. Bei Erstligist gegen einen Bundesligist ist es vielleicht nicht so dramatisch, aber wenn es krasse Konstellationen gibt, wo Amateurklubs aus Regionalliga oder Landesliga wie wir bzw. Wimpassing auswärts bei Bundesligisten ranmüssen, läuft da etwas verkehrt.

In der Kabine wirst du oftmals "Lehrer" gerufen. Wie kommt das?

(Lacht) Eigentlich nennt mich nur Oki (Okan Ekmekci, Anm.) so. Das kommt daher, dass ich Lehramt - Englisch und Geschichte studiere, hoffentlich im Sommer fertig bin. In zwei Gymnasien hab ich bereits Praktika absolviert. Ich studiere in Klagenfurt, was auch ein großer Faktor war, der für einen Wechsel zur Austria gesprochen hat. Davor musste ich immer pendeln - von Klagenfurt nach Wolfsberg. Nun, mit dieser Konstellation und dem Sportlichen bei der Austria, bin ich rundum zufrieden.